Der Fall C. J. Hopkins: Die moderne Bücherverbrennung

CJ Hopkins 2021 BW 2 fb

Am Mittwochmorgen, dem 26. November 2025, erschienen drei bewaffnete Polizeibeamte in der Berliner Wohnung des amerikanischen Schriftstellers C. J. Hopkins mit einem vom Amtsgericht Tiergarten ausgestellten Durchsuchungsbeschluss. Wie er auf seinem Substack berichtet, durchsuchten die Beamten nicht nur die Wohnung, sondern beschlagnahmten auch seinen Computer und verhörten seine Frau.

Hopkins ist ein preisgekrönter Dramatiker, Romanautor und politischer Satiriker. Im Jahr 2022 veröffentlichte er The Rise of the New Normal Reich: Consent Factory Essays, Vol. III (2020–2021), ein Buch, das eine umfassende und scharf formulierte Kritik an den autoritären Tendenzen liefert, die während der Covid-Ära angewandt wurden. Und genau dieses Buch war es, das die Polizei an jenem Morgen zu ihm nach Hause führte.

Hopkins the rise cover

Das Cover des Buches macht Hopkins’ Argument auf Anhieb sichtbar. Es greift das bekannte Design von William L. Shirers Geschichtsbuch The Rise and Fall of the Third Reich auf, das ein großes Hakenkreuz zeigt, und ersetzt es durch eine Version, in der das Symbol teilweise von einer Covid-Maske verdeckt wird. Dies ist eine direkte visuelle Aussage: Nach Hopkins’ Auffassung wiesen die Zwangsmaßnahmen der Covid-Zeit eine beunruhigende Ähnlichkeit mit einem früheren autoritären System auf, das ebenfalls den Ausnahmezustand nutzte, um Grundrechte außer Kraft zu setzen. Das Bild ist unmissverständlich politische Kommentierung, und zwar eine anti-autoritäre.

Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht das jedoch anders. Nach dem Durchsuchungsbeschluss soll das Cover gegen §86a des Strafgesetzbuches verstoßen; das Verbot verfassungsfeindlicher Kennzeichen, wenn diese in affirmativer Weise verwendet werden. Hopkins wird beschuldigt, sein Buch zu veröffentlichen, zu verkaufen und zu zeigen sowie das Cover auf seiner Website abzubilden. Mit anderen Worten: Die Staatsanwaltschaft behandelt ein anti-autoritäres Buch als strafbare Handlung.

Die Hausdurchsuchung wurde angeordnet, um Beweise dafür zu sammeln, dass Hopkins sein Buch hat drucken, weiterverbreiten und herstellen lassen, an Käufer versendet und auf verschiedenen Verkaufsplattformen anbietet. Außerdem sollte überprüft werden, ob er der Verantwortliche und Betreiber seines Blogs consentfactory.org ist, auf dem das Buch beworben wird. Doch diese Fragen sind keine Rätsel. Die Antworten sind öffentlich bekannt. Hopkins ist der Autor. Seine Website trägt seinen Namen, sein Foto und seine Biografie. Seine Bücher werden von Buchhändlern weltweit beworben und verkauft. Es gibt hier nichts, was verborgen wäre.

Eine Hausdurchsuchung jedoch gehört zu den einschneidendsten Maßnahmen, die ein Staat ergreifen kann. Sie muss verhältnismäßig sein und setzt voraus, dass Beweise benötigt werden, die auf keinem anderen Weg zu erhalten sind. Diese Schwelle wurde nicht annähernd erreicht. Es gab keine ernsthafte Frage, die den Einsatz bewaffneter Beamter in der Wohnung eines Schriftstellers gerechtfertigt hätte. Die Durchsuchung diente keinem legitimen Ermittlungszweck. Sie erfüllte einen symbolischen. Sie sendete eine Botschaft: Wir können in dein Zuhause eindringen und dich für das, was du schreibst, belästigen.

Schon dies allein sollte jeden beunruhigen, dem an freier Meinungsäußerung gelegen ist. Doch das Kernproblem sitzt tiefer. Hopkins’ Buch propagiert keinen Faschismus. Es warnt davor. Es verwendet das Hakenkreuz nicht zur Unterstützung nationalsozialistischer Ideologie, sondern zur Verurteilung politischer Entwicklungen der Gegenwart, die ihm ähnlich erscheinen. Der gesamte Sinn des Buches lautet: „Seid wachsam. Das kommt uns bekannt vor.“ Und der Ausdruck „The New Normal Reich“ trägt nur einen leicht satirischen Unterton; gerade genug, um Unbehagen zu signalisieren und die grauen Zellen in Alarmbereitschaft zu versetzen.

In jeder gesunden Demokratie fällt eine solche Warnung klar unter die geschützte politische Rede. Es ist genau die Art von Analogie, die Schriftsteller, Historiker und politische Denker seit jeher ziehen. Man mag sie überzogen, unbequem oder ungerecht finden, doch das ist etwas völlig anderes als strafbar. Satire ist keine Propaganda. Kritik ist keine Zustimmung. Eine Warnung ist kein Lobpreis.

Indem die Staatsanwaltschaft ein kritisches Bild als strafbare Verwendung von Nazi-Symbolen behandelt, wirft sie grundlegende Unterscheidungen über Bord, die für eine freie Debatte unverzichtbar sind. Es handelt sich um einen Kategorienfehler mit schwerwiegenden Folgen. Sollte die Sichtweise der Staatsanwaltschaft Bestand haben, könnte jede kritische Darstellung eines Nazi-Symbols, ob in einer Dokumentation, einer satirischen Karikatur, einem historischen Vergleich oder in einem literarischen Werk, auf dieselbe Weise kriminalisiert werden.

Das Ergebnis ist vorhersehbar: Menschen verstummen. Schriftsteller meiden bestimmte Themen. Künstler zensieren sich selbst. Verlage werden nervös. Und so verengt sich der Raum des Sagbaren. So funktioniert Zensur heute: durch das Entfernen von Büchern und den stetigen Druck juristischer Drohungen, gestützt durch bürokratische Einschüchterung.

Schon die Tatsache, dass diese Durchsuchung überhaupt stattgefunden hat, belegt diesen Druck. Eine polizeiliche Hausdurchsuchung ist erschreckend, belastend und demütigend. Sie stört den Alltag. Sie entzieht Werkzeuge, die für die Arbeit nötig sind. Sie dringt in den privaten Raum ein. Und all das geschieht ohne jede Notwendigkeit. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Schreiben und Veröffentlichen dieses Buches werden dir teuer zu stehen kommen.

Wie Hopkins’ Anwalt zu Recht argumentiert, war die Hausdurchsuchung nicht nur ein unverhältnismäßiger Exzess, sondern ein Angriff auf mehrere grundlegende Garantien einer demokratischen Gesellschaft: die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Kunstfreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung. Diese Prinzipien sind keine dekorativen Elemente einer Verfassung; sie bilden das Fundament, mit dem ein Volk verhindert, dass Macht sich zu etwas Unkontrollierbarem und Unterdrückerischem verdichtet. Dass die deutschen Behörden hier willkürlich handeln, steht außer Frage, zumal Spiegel und Stern das Hakenkreuz bereits kritisch auf ihren Titelseiten verwendet haben, ohne dass die Polizei ihre Redaktionen durchsucht hätte.

Es bedarf nur eines ehrlichen Blicks, um zu erkennen, dass Hopkins unmöglich mit Faschismus oder Nazismus sympathisieren kann. Sein gesamtes Argument beruht auf der Annahme, dass die Covid-Ära im Kleinen und bereits im Frühstadium eine Wiederholung jener autoritären Versuchungen darstellte, die das 20. Jahrhundert entstellten. Ein Mensch lobt nicht das, wovor er warnt; er verehrt nicht das, was er als Maßstab des politischen Verfalls benutzt.

Hopkins ruft das Dritte Reich nicht als Vorbild, sondern als Grenze auf; als die äußerste Linie dessen, was eine Gesellschaft niemals wieder zulassen darf. In dieser Weise rückt er den Nazismus in jene begriffliche Sphäre, in der man Giftstoffe aufbewahrt: nicht nützlich, sondern warnend, ein Hinweis darauf, wann die Luft toxisch geworden ist. Ihm Sympathie mit Faschismus vorzuwerfen heißt, den gesamten Aufbau seiner Kritik zu verfehlen und den Rauchmelder mit dem Feuer zu verwechseln. Hopkins kokettiert nicht mit dem Nazismus; er argumentiert, dass dessen Gespenst leichter durch moderne Flure wandert, als wir es wahrhaben wollen, und er plädiert für die Wachsamkeit, die nötig ist, um zu verhindern, dass dieses Gespenst wieder Fleisch annimmt.

Deutschland verbrennt heute keine Bücher mehr im wörtlichen Sinne. Stattdessen beschränkt es deren Verfügbarkeit. Es entfernt sie aus Verkaufskanälen. Es schikaniert ihre Autoren. Es behandelt politische Kritik als Straftat. Die Flammen sind verschwunden, doch das zensorische Prinzip lebt fort. Hopkins’ Buch ist in deutschen Buchhandlungen und auf Amazon in Deutschland, Österreich und den Niederlanden nicht mehr erhältlich.

Man muss Hopkins nicht zustimmen, um zu erkennen, was hier auf dem Spiel steht. Heute ist es ein leicht satirisches Buchcover. Morgen könnte es Shirers Geschichtswerk über das Dritte Reich sein (das in Deutschland weiterhin frei erhältlich ist). Übermorgen eine politische Karikatur. Sobald der Staat beginnt, Dissens als Gefahr und Kritik als Extremismus zu behandeln, wird der Hang zum Totalitarismus sehr schnell sehr rutschig.

In diesem Fall haben die deutschen Behörden etwas Abstoßendes getan, in einem Staat, der sich noch immer als liberal und demokratisch begreift. Sie haben einen Kritiker des Autoritarismus genommen und auf seine Kritik mit autoritären Mitteln reagiert. Und genau das ist das Problem, über das Hopkins seit Langem schreibt.

Lesen Sie mehr über diesen Fall auf C. J. Hopkins‘ Substack: https://cjhopkins.substack.com/p/a-visit-by-the-german-thought-police.

Hopkins‘ Anwalt hat der Jungen Freiheit ein Interview über die Hausdurchsuchung gegeben: https://jungefreiheit.de/debatte/interview/2025/sonst-haetten-auch-spiegel-oder-stern-bestraft-werden-muessen/.

Hinweis zu einem früheren, noch anhängigen Verfahren

Hopkins hatte bereits zuvor mit dem deutschen Staat zu tun. Seine ersten Schwierigkeiten begannen mit zwei Tweets, die er im August 2022 veröffentlichte, jeweils versehen mit demselben Bild seines Buches, das nun im Mittelpunkt des neuen Verfahrens steht: eine medizinische Maske über einem weiterhin sichtbaren Hakenkreuz.

Einer der Tweets zitierte den damaligen Bundesgesundheitsminister, der sagte: „Von der Maske geht immer auch ein Signal aus.“ Der andere Tweet beschrieb Masken als Symbole ideologischer Konformität. Die Botschaft war eindeutig: Hopkins kritisierte staatliche Zwangsmaßnahmen, er unterstützte den Nationalsozialismus nicht.

Doch die Berliner Staatsanwaltschaft behandelte das Bild des Buches in diesen Tweets als affirmative Verbreitung von Nazi-Symbolen, ignorierte den Kontext vollständig und verfolgte ihn, als handele es sich um einen faschischtischen Propagandisten statt um einen Satiriker. Was man auf den ersten Blick als politische Warnung hätte erkennen müssen, wurde stattdessen als strafbare Handlung vor Gericht gezerrt. Dieses Verfahren zu Hopkins’ Tweets ist derzeit beim Bundesverfassungsgericht anhängig.

Lesen Sie mehr über den Fall auf der NZZ: https://www.nzz.ch/feuilleton/cj-hopkins-corona-hakenkreuz-justiz-lauterbach-twitter-ld.1755323

Hier ist ein Artikel darüber auf Achgut: https://www.achgut.com/artikel/rechtsstaatsresignation/P21

Matt Taibbi hat darüber auch einen Artikel geschrieben: https://www.racket.news/p/first-roger-waters-now-this-germany

Zur Person C. J. Hopkins: C. J. Hopkins ist ein preisgekrönter Dramatiker, Romancier und politischer Satiriker. Seine Theaterstücke wurden international produziert und auf Bühnen und Festivals in mehreren Ländern aufgeführt. Zu seinen Auszeichnungen gehören unter anderem der First of the Scotsman Fringe Firsts 2002, weitere Scotsman Fringe Firsts in den Jahren 2002 und 2005 sowie der Preis für das beste Stück des Adelaide Fringe im Jahr 2004. Seine Theatertexte erscheinen bei Bloomsbury/Methuen und Broadway Play Publishing, Inc. Essaybände von ihm werden bei Skyhorse Publishing und Consent Factory Publishing veröffentlicht. Sein Debütroman Zone 23 ist bei Arcade Publishing erschienen.

Andrea Seaman
Andrea Seaman
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