
Hamza Raya ist Schweizer Komiker. Er hat libanesische Wurzeln und ist Muslim. Jetzt hat die Zürcher Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn eröffnet. Grund ist eine Anzeige aus Deutschland. Die Kantonspolizei Zürich hat ihn bereits zur Einvernahme vorgeladen. Sie werfen ihm vor, die Anti-Rassismus-Strafnorm verletzt zu haben, d.h. Artikel 261bis des Strafgesetzbuches.
Der Grund dafür? Ein YouTube-Video auf seinem Kanal. Titel: „Rassistische Witze – Jude vs. Araber“. Darin sitzen Hamza Raya und sein Freund Sam Friedman zusammen. Sam ist Zürcher Jude, Komiker und Israeli. Die beiden machen abwechselnd Witze über Araber und Juden.
Wer diese Darbietung betrachtet, erkennt sogleich das Wesen des Unterfangens: Hier wird nicht gehetzt, sondern mit dem Feuer des Tabus gespielt. Mit jener kühnen Lust am Verbotenen, die gerade dort am hellsten leuchtet, wo die feine, bourgeoise Gesellschaft sie an ihren Dinnerpartys am strengsten untersagt.
Hier ein paar Witze aus dem Video:
Was ist der Lieblingsfeiertag eines Juden? Aschermittwoch.
Was ist der Lieblingssitz eines Arabers im Flugzeug? C4.
Wie nennt man einen Araber, der auf Frauen und Männer steht? Ali-Bi.
Warum findet in Arabien Sexualkunde- und Fahrunterricht nicht am selben Tag statt? Weil die Kamele es nicht aushalten würden.
Wie hiess die jüdische Fernsehserie aus dem Zweiten Weltkrieg? Familien im Brennpunkt.
Das Video ist klar als Satire gekennzeichnet. In der Beschreibung steht ausdrücklich: Es ist reine Comedy, keine echten Meinungen, kein Antisemitismus, keine Islamophobie. Man kann das Video hier anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=8byWtEXnYBU

Das Bündnis Redefreiheit hat sich entschlossen, an der Seite Hamza Rayas zu stehen. Wir übernehmen die Kosten des Zürcher Rechtsanwalts Dr. Walter M. Haefelin und sind bereit, den Fall, sollte es nötig sein, durch alle Instanzen zu führen.
Weil es darum geht juristisch abzuklären, ob Satire in diesem Land noch erlaubt ist oder nicht.
Warum diese Witze wichtig sind
Das Video wurde drei Monate nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 publiziert. Die Stimmung war äusserst angespannt und die Gräben vertieften sich. Ein Araber und ein Jude nahmen dies zum Anlass, sich gegenseitig mit sehr provokativen Witzen einzudecken, dabei zu lachen und Freunde zu bleiben. Lachen verbindet wo Ideologien trennen. Feindbilder werden durch satirische Übertreibung entlarvt und relativiert.
Diese sogenannten „rassistischen“ Witze erfüllen somit eine anti-rassistische Funktion. Sie greifen die dummen Klischees auf, die in den Köpfen vieler Menschen schlummern, bringen sie ans Licht und geben sie der Lächerlichkeit preis. Indem zwei Männer, die aufgrund ihrer unterschiedlichen kulturellen und religiösen Herkunft eigentlich Feinde wären, gemeinsam über diese Klischees lachen, durchbrechen sie Vorurteile und Hassgefühle. Momente der gemeinsamen Heiterkeit sind viel effektiver als einseitig ideologisch geprägte Predigten über Diversität oder Inklusion; sie sind gelebte Brüder-lichkeit, dem Geist des Humors entsprungen.
Wer das verbieten will, der versteht nichts von Humor. Und noch weniger von Freiheit.
Satire muss aufrütteln und auch schmerzen; Übertreibungen sind das Salz und Pfeffer. Ansonsten verkommt sie zur profanen Unterhaltung für Leute ohne Herz und Verstand. Satire beinhaltet das verbale Überschreiben von moralisch/ethischen Grenzen. Wenn der Staat solche Witze verbietet, zensuriert er kritisches Denken und untersagt er das Lachen darüber.
Das ist eine gefährliche Entwicklung: Heute sind es „rassistische Witze“ unter Freunden, morgen sind es kritische Fragen zur Migration, übermorgen ist es jede unangenehme Wahrheit.
Die Anti-Rassismus-Strafnorm sollte echte Diskriminierung sanktionieren. Sie wurde bestimmt nicht erlassen, um zwei befreundete Satiriker zu bestrafen.
Die Staatsanwaltschaft und die Denunzianten missbrauchen den Straftatbestand insofern als sie den Begriff Rassismus so weit aus- und überdehnen, bis er jede Kritik beinhaltet und damit zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Auf diese Weise schützt man die Empfindlichsten und opfert die Freiheit aller Übrigen.
Was hier wirklich passiert
Hamza Raya hat keinen Hass geschürt und nicht zu Gewalt aufgerufen. Er hat bloss mit einem jüdischen Freund zusammen über kulturelle/religiöse Klischees gelacht. In einer Zeit der Spaltung und des Hasses haben die beiden gezeigt, dass es auch anders geht, nämlich mit Humor.
Das Bündnis Redefreiheit sagt klipp und klar: Wir verteidigen Hamza Raya, weil wir die Rede- und kulturelle Freiheit, Satire und Comedy verteidigen.
Eine Gesellschaft, die ihre Komiker vor Gericht zerrt, verliert ihre Seele. Sie wird humorlos, ängstlich und autoritär. Sie verliert die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Und wer nicht mehr über sich lachen darf, der darf auch nicht mehr frei denken.
Der Kampf geht weiter
Das ist kein Einzelfall, wie auch der Fall von Mirco Casorelli (Bireweich) zeigt. Immer mehr Menschen werden strafrechtlich verfolgt, weil sie etwas ‚Falsches‘ gesagt haben. Immer öfter entscheiden Staatsanwälte und links-woke Aktivisten, was erlaubt sein soll.
Addendum zur Natur der Satire
Zuletzt sei noch einmal mit aller Deutlichkeit festgehalten: Satire meint ihrem Wesen nach das Gegenteil dessen, was sie vordergründig sagt. Sie spricht nicht ernsthaft, sondern in ironischer Umkehrung, um durch Übertreibung Wahrheit oder Unwahrheit sichtbar zu machen. Eben deshalb kann eine satirische Äusserung, die bewusst nicht ernst gemeint ist, nicht als rassistisch gelten, denn das wäre ein grundlegendes Missverständnis dessen, was Satire ist. Wir dürfen deshalb nicht beginnen, vermeintlichen Rassismus zu kriminalisieren, der nie ernsthaft beabsichtigt war, sondern lediglich im Scherz ausgesprochen wurde. Wer eine Satiresendung kriminalisiert, obwohl sie ausdrücklich ablehnt, was die Anti-Rassismus-Strafnorm verbietet, der missbraucht unweigerlich die Anti-Rassismus-Strafnorm.

Zur Person Hamza Raya:
Hamza Raya ist ein Schweizer Stand-up-Comedian, Veranstalter und Unternehmer mit libanesischen Wurzeln. Als Gründer von Raya Entertainment, dem Unternehmen hinter dem erfolgreichen Comedy-Format Dini Muetter Comedy, organisiert und produziert er Comedy-Shows in der ganzen Schweiz und bringt nationale sowie internationale Künstler auf die Bühne. Neben seiner Tätigkeit als Comedian ist er insbesondere für seine aussergewöhnliche Sprachgewandtheit bekannt und spricht über zehn Sprachen. Seine Comedy verbindet spontane Interaktion mit dem Publikum, kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Beobachtungen. Hamza Raya scheut sich nicht, gesellschaftliche Grenzen humorvoll auszuloten und auch sensible Themen aufzugreifen. Seine Überzeugung ist, dass man über alles lachen darf und Humor verbindet statt trennt. Mit seiner grossen Reichweite in den sozialen Medien erreicht er Hunderttausende Menschen und zählt zu den bekanntesten Comedy-Content-Creatorn der Schweiz. Parallel dazu engagiert er sich für den Aufbau neuer Comedy-Formate und die Förderung der Schweizer Stand-up-Szene mit dem Ziel, die Comedy-Kultur in der Schweiz nachhaltig weiterzuentwickeln.